Bei einem längeren Stromausfall geraten nicht nur elektrische Geräte zum Stillstand – auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung können in Mitleidenschaft gezogen werden. Was vielen nicht bewusst ist: Der Weg des Wassers in den Haushalt und zurück ins System ist energieabhängig. Ein Blackout hat daher unmittelbare Auswirkungen auf diesen zentralen Lebensbereich.
Im Normalfall sorgen kommunale Wasserwerke dafür, dass Haushalte mit Trinkwasser versorgt und Abwässer zuverlässig abgeleitet werden. Diese Systeme sind auf Pumpen angewiesen – und diese brauchen Strom. Fällt die Energieversorgung in einer ganzen Region aus und dauert der Stromausfall über Stunden oder Tage an, geraten auch Wassersysteme an ihre Grenzen.
Wassersysteme sind auf Strom angewiesen
In der Regel verfügen größere Wasserversorger über Notstromaggregate, die einen Basisbetrieb über einen begrenzten Zeitraum ermöglichen. Das bedeutet: Auch bei einem mehrstündigen Stromausfall bleibt das Wassernetz zunächst funktionsfähig, Toilettenspülungen und Wasserhähne liefern weiterhin Wasser. Doch hält der Blackout an, kann auch dieser Notbetrieb zusammenbrechen – insbesondere dann, wenn der Tank leer ist und keine Nachlieferung mehr erfolgt.
Regionale Unterschiede bei der Versorgung
In städtischen Gebieten mit großen zentralen Wasserversorgungsanlagen kann die Versorgung unter Umständen länger aufrechterhalten werden als auf dem Land. Kritischer wird es für Haushalte, die mit eigenen Brunnen und elektrischen Pumpen arbeiten: Diese Systeme sind in der Regel nicht notstromfähig und versagen unmittelbar bei Stromausfall. Auch dann, wenn Frischwasserleitungen unterbrochen werden, fällt die Toilettenspülung aus – der Spülkasten kann sich nicht mehr füllen.
In solchen Fällen ist Eigeninitiative gefragt. Haushalte sollten sich für einen möglichen Krisenfall vorbereiten, indem sie Wasser in Kanistern oder Flaschen bevorraten – nicht nur zum Trinken, sondern auch für Kochen, Körperpflege und Toilettenspülung.
Folgen für Abwassersysteme
Nicht nur die Wasserversorgung, auch die Abwasserentsorgung ist auf Energie angewiesen. Pumpstationen transportieren Schmutzwasser aus Wohngebieten zu Kläranlagen. Fällt der Strom längerfristig aus, bleiben Rückstände in den Rohren und in der Kanalisation liegen. Die Folgen können unangenehm sein: Geruchsbelastung, verstopfte Rohre und – im Extremfall – Rückstau von Abwasser in Häuser. Besonders bei Starkregen besteht dann das Risiko von Überschwemmungen durch nicht mehr funktionierende Ableitungssysteme.
Wie sich Haushalte vorbereiten können
Um in einer solchen Situation handlungsfähig zu bleiben, empfehlen Katastrophenschützer einen gezielten Wasservorrat. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sollten pro Person rund 20 Liter Wasser für zehn Tage bereitstehen – davon fünf Liter für die Essenszubereitung. Auch Brauchwasser wie Regenwasser, Abwaschwasser oder Wasser aus Schwengelpumpen kann genutzt werden – etwa zur Spülung der Toilette. Allerdings ist dieses Wasser in der Regel nicht zum Trinken geeignet und müsste vorher aufbereitet werden.
Alternative Toilettensysteme im Notfall
Für den Fall, dass das Spülen nicht mehr möglich ist, gibt es einfache Alternativen. Camping- oder Komposttoiletten bieten eine hygienische Notlösung, die auch vom BBK empfohlen wird. Diese Systeme funktionieren unabhängig vom Wassernetz und sind für den kurzfristigen Einsatz gut geeignet. Wichtig ist, dass feste Abfälle sicher entsorgt werden, um eine Belastung des Haushalts mit Keimen oder unangenehmen Gerüchen zu vermeiden.
Ein Tipp aus der Praxis: In der Anfangsphase eines Blackouts kann Regenwasser aus der Tonne genutzt werden, um den Spülkasten manuell zu befüllen. Doch je länger der Stromausfall andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Abwassersystem überfordert ist – dann sollte keine zusätzliche Belastung mehr erfolgen. In solchen Fällen ist Zurückhaltung gefragt.
Versorgung über Notbrunnen
Viele Kommunen verfügen über sogenannte Notbrunnen oder Schwengelpumpen, aus denen sich Bürger im Krisenfall mit Wasser versorgen können. Dieses Wasser ist in der Regel nur als Nutzwasser deklariert, also nicht zum direkten Verzehr geeignet. Wer es als Trinkwasser nutzen möchte, muss es abkochen, filtern oder mit speziellen Entkeimungstabletten behandeln.
